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Kraftmessung im Kraftfluss und im Kraftnebenschluss – Messprinzipien im Vergleich
Die Erfassung von Prozesskräften ist entscheidend für präzise Regelungen, Prozesssicherheit und gleichbleibende Qualität in industriellen Abläufen. Je nach Anwendung werden Kräfte direkt im Kraftfluss oder indirekt im Kraftnebenschluss gemessen.
Der nachfolgende Beitrag vergleicht zwei gängige Methoden der Kraftmessung und gibt dem Ingenieur Entscheidungshilfen an die Hand. Beide Methoden haben ihre Berechtigung und haben im industriellen Umfeld ein breites Anwendungsgebiet gefunden.
Die zuverlässige Erfassung von Prozesskräften ist eine zentrale Voraussetzung für präzise Regelungen, hohe Prozesssicherheit und reproduzierbare Qualität in industriellen Prozessabläufen. Je nach Anwendung und Randbedingungen kommen direkte Kraftmessungen im Kraftfluss (in‑situ) oder indirekte Messungen ausserhalb des Kraftflusses (Kraftnebenschluss) zum Einsatz. Beide Methoden haben im industriellen Umfeld ein breite Anwendungsspektrum gefunden.
Technischer Hintergrund
Das Prinzip der In-Situ Messung im Kraftfluss
Meistens werden Prozesskräfte dadurch gemessen, indem ein geeigneter Kraftsensor in den eigentlichen Kraftfluss eingefügt wird. Das heisst, dass der Kraftsensor mit der gesamten Kraft beaufschlagt wird und diese direkt messen kann. Mit gut ausgelegten industriellen Kraftsensoren werden so in der Regel Genauigkeiten im 0.5%-Bereich und Auflösungen von 1:2’000 erreicht, bei gleichzeitig hoher Dynamik.
Das Prinzip der indirekten Messung im Kraftnebenschluss
Etwas anders gestaltet sich die Messung von Kräften im Kraftnebenschluss, auch indirekte Messung genannt. Bei dieser Methode wird am Maschinenbauteil ein Ort gesucht, der einen möglichst repräsentativen Teil der Prozesskraft überträgt. An diesem Ort entsteht zwangsläufig eine Verformung, die mit einem Dehnungssensor gemessen werden kann. Dieser Dehnungssensor wird in der Regel mit Schraubverbindungen an der Oberfläche des Bauteils angebracht. Diese Art der Kraftmessung erlaubt es, grosse und grösste Kräfte mit kostengünstigen, einfach anzubringen Sensoren zu messen.
Während also die Prozesskraft beim Kraftsensor auf einen für die Art der Aufgabe optimierten Federkörper geleitet wird, wird bei der indirekten Kraftmessung ein Maschinenbauteil als Federkörper benutzt. Selbstredend wird der optimierte Federkörper des Kraftsensors messtechnisch grosse Vorteile bieten, während bei der indirekten Kraftmessung der Sensor lediglich noch die Verformung (i.d.R. Dehnung) zu messen hat. Diese Dehnungsmessung ist weniger aufwendig, weshalb die indirekte Kraftmessung zu wirtschaftlich sehr attraktiven Lösungen führt.
Sensor- und Konstruktionsauslegung, Technologien
Der Federkörper, auch Sensorgrundkörper genannt, wird so ausgelegt, dass er nahezu trägheitslos der angelegten Kraft/Dehnung folgen kann. Dies wird erreicht, indem der Sensorgrundkörper eine geringe Stellkraft aufweist und so „federnd“ der Dehnung folgen kann. Weiter soll die resultierende Dehnung am Federkörper an einer oder mehreren wohlbekannten Stellen konzentriert sein. An diesen Stellen kann dann die Dehnung mit Folien-Dehnungsmessstreifen oder Dünnschicht-Dehnungssensoren zuverlässig gemessen werden. Diese Grundsätze kommen bei beiden Technologien zur Anwendung und garantieren eine hohe Sensitivität und Auflösung.
Typische Fragestellungen
Geht es um eine Nachrüstlösung oder Neukonstruktion?
Bei Nachrüstlösungen kommt meist nur die indirekte Messung im Kraftnebenschluss in Frage. Ein Einbau in den Kraftfluss würde einen sehr aufwendigen Umbau bedingen.
Ist die Prozesskraft statisch oder zyklisch?
Muss eine Prozesskraft echt statisch gemessen werden, so kommen nur Kraftsensoren im Kraftfluss in Frage. Dehnungssensoren, die im Kraftnebenschluss die Verformung des Bauteils messen, neigen zu Nullpunktdriften und sollten daher von Zeit zu Zeit im kraftlosen Zustand abgenullt werden.
Wird eine hohe Genauigkeit, auch bei wechselnden Betriebsbedingungen gefordert?
Ist das der Fall, so wird die direkte Kraftmessung erste Wahl sein. Geeignete Kraftsensoren kompensieren Seitenkräfte wie auch Temperatureinflüsse wirkungsvoll und erreichen Fehler von deutlich unter 1%.
Muss die Lösung „bestmöglich“ oder „gerade gut genug“ sein?
Da bei der indirekten Kraftmessung der Dehnungssensor gar nicht die eigentliche Kraft, sondern die resultierende Dehnung misst, kann er mechanisch sehr klein und kostengünstig realisiert werden. Gerade bei grossen und sehr grossen Kräften stellt dies oft die einzig wirtschaftlich vertretbare Lösung dar.
Übersicht
Tabellarische Übersicht als Entscheidungshilfe
Hinweis: Die Aussagen sind allgemein gehalten, im konkreten Einzelfall kontaktieren Sie bitte die Ingenieure der iST/Senstech AG. -> Link zu Kontaktdaten? Meist ergibt sich schon aus wenigen Kriterien ein eindeutiger Hinweis, welche Art der Kraftmessung eingesetzt werden soll.
| Parameter | Im Kraftfluss | Im Kraftnebenschluss |
|---|---|---|
| Messprinzip |
Direkte Kraftmessung |
Indirekte Dehnungsmessung |
| Kalibrierte Grösse |
Kraft [N] |
Dehnung [µε] |
| Kalibration |
Herstellerseitig gegeben |
Teach-In Verfahren nötig, Mehrpunktkalibration |
| Ausgangssignal |
0…±3mV/V |
0…±3mV/V, 0…±10V, 0/4…20mA |
| Messverstärker |
Extern |
Meist integriert |
| Eigenschaft der Kraftmessung |
Statisch und dynamisch |
Meist nur dynamisch, zyklische Anwendungen |
| Nullpunktstabilität |
Sehr gut |
Eingeschränkt, Regelmässiges Abnullen ist empfohlen |
| Linearität |
Sehr gut |
Moderat, stark vom Einbauort abhängig |
| Hysterese (Umkehrspanne) |
Praktisch vernachlässigbar |
Moderat, stark vom Einbauort abhängig |
| Temperaturkompensation |
Sehr gut, im Sensor inhärent |
Kritisch, da Ausdehnungskoeffizient des Sensors muss dem Bauteil entsprechen. |
| Überlastfestigkeit |
Kritisch, durch den Sensor vorgegeben |
Unkritisch für den Sensor, lediglich durch das Maschinenbauteil begrenzt |
| Austauschbarkeit, mechanisch |
Aufwendig |
Einfach |
| Austauschbarkeit, Signal |
Keine Neukalibration |
Neukalibration meist erforderlich |
| Sensorposition |
Bestandteil der Kraftübertragung |
Am Maschinenbauteil |
| Kraftmessbereich |
10N…20MN |
Prinzipiell keine Einschränkung |
| Dynamik & Genauigkeit |
Sehr hoch |
Abhängig von Struktur & Teach-In |
| Regelungsfähigkeit |
Ideal für Regelkreise |
Primär für Überwachungsaufgaben |
| Eingriff in Mechanik |
Erforderlich |
Nicht erforderlich |
| Besonderes I |
Seitenkräfte beachten |
Temperaturgradienten beachten |
| Besonderes II |
Spaltfederungen vermeiden |
Stellkräfte des Dehnungssensors beachten |
| Einfederung (Messweg) |
Stark sensorabhängig |
Vernachlässigbar |
| Wirtschaftlichkeit |
Kostenintensiv |
Attraktiv |
| Nachrüstbarkeit |
Eingeschränkt |
Sehr gut |
| Schutzgrad |
Bis IP67 |
IP54, mit zusätzlichen Optionen bis IP67 |
| Sicherheitstrennung |
Bestandteil der Lastkette |
Konstruktiv getrennt, keine Beeinflussung des SIL oder PL |
Mehrpunktkalibration
Anwendungen
empfohlen
vernachlässigbar
Sensor inhärent
Sensors muss dem Bauteil entsprechen.
Sensor vorgegeben
Maschinenbauteil begrenzt
Kraftübertragung
vermeiden
SIL oder PL
Im Kraftfluss
- Messprinzip
-
Direkte Kraftmessung
- Kalibrierte Grösse
-
Kraft [N]
- Kalibration
-
Herstellerseitig gegeben
- Ausgangssignal
-
0…±3mV/V
- Messverstärker
-
Extern
- Eigenschaft der Kraftmessung
-
Statisch und dynamisch
- Nullpunktstabilität
-
Sehr gut
- Linearität
-
Sehr gut
- Hysterese (Umkehrspanne)
-
Praktisch
vernachlässigbar - Temperaturkompensation
-
Sehr gut, im
Sensor inhärent - Überlastfestigkeit
-
Kritisch, durch den
Sensor vorgegeben - Austauschbarkeit, mechanisch
-
Aufwendig
- Austauschbarkeit, Signal
-
Keine Neukalibration
- Sensorposition
-
Bestandteil der
Kraftübertragung - Kraftmessbereich
-
10N…20MN
- Dynamik & Genauigkeit
-
Sehr hoch
- Regelungsfähigkeit
-
Ideal für Regelkreise
- Eingriff in Mechanik
-
Erforderlich
- Besonderes I
-
Seitenkräfte beachten
- Besonderes II
-
Spaltfederungen
vermeiden - Einfederung (Messweg)
-
Stark sensorabhängig
- Wirtschaftlichkeit
-
Kostenintensiv
- Nachrüstbarkeit
-
Eingeschränkt
- Schutzgrad
-
Bis IP67
- Sicherheitstrennung
-
Bestandteil der Lastkette
Im Kraftnebenschluss
- Messprinzip
-
Indirekte Dehnungsmessung
- Kalibrierte Grösse
-
Dehnung [µε]
- Kalibration
-
Teach-In Verfahren nötig,
Mehrpunktkalibration - Ausgangssignal
-
0…±3mV/V, 0…±10V, 0/4…20mA
- Messverstärker
-
Meist integriert
- Eigenschaft der Kraftmessung
-
Meist nur dynamisch, zyklische
Anwendungen - Nullpunktstabilität
-
Eingeschränkt, Regelmässiges Abnullen ist
empfohlen - Linearität
-
Moderat, stark vom Einbauort abhängig
- Hysterese (Umkehrspanne)
-
Moderat, stark vom Einbauort abhängig
- Temperaturkompensation
-
Kritisch, da Ausdehnungskoeffizient des
Sensors muss dem Bauteil entsprechen. - Überlastfestigkeit
-
Unkritisch für den Sensor, lediglich durch das
Maschinenbauteil begrenzt - Austauschbarkeit, mechanisch
-
Einfach
- Austauschbarkeit, Signal
-
Neukalibration meist erforderlich
- Sensorposition
-
Am Maschinenbauteil
- Kraftmessbereich
-
Prinzipiell keine Einschränkung
- Dynamik & Genauigkeit
-
Abhängig von Struktur & Teach-In
- Regelungsfähigkeit
-
Primär für Überwachungsaufgaben
- Eingriff in Mechanik
-
Nicht erforderlich
- Besonderes I
-
Temperaturgradienten beachten
- Besonderes II
-
Stellkräfte des Dehnungssensors beachten
- Einfederung (Messweg)
-
Vernachlässigbar
- Wirtschaftlichkeit
-
Attraktiv
- Nachrüstbarkeit
-
Sehr gut
- Schutzgrad
-
IP54, mit zusätzlichen Optionen bis IP67
- Sicherheitstrennung
-
Konstruktiv getrennt, keine Beeinflussung des
SIL oder PL
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